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Zu Wasser und zu Land führt der St. Olavs Seeweg von der finnischen Westküste zur schwedischen Ostküste und verbindet dabei die Städte Turku und Söderhamn. Er bildet dabei rund die Hälfte des 1200 Kilometer langen St. Olavswegs, der von Finnland bis nach Trondheim in Norwegen führt. Neben spektakulären Aussichten bietet der St. Olavs Seeweg ein in Europa einzigartiges Reiseerlebnis: denn seine rund 625 Kilometer führen einmal quer über die Ostsee – und somit auch zu großen Teilen über Wasserwege. Von der historischen Stadt Turku aus geht es durch den Schärengarten und über die Ålandinseln bis zum schwedischen Festland nach Söderhamn, von wo aus dann eine Weiterreise bis nach Trondheim möglich ist.

In diesem Artikel erfahrt ihr, was es mit der Geschichte St. Olavs auf sich hat und erhaltet Informationen rund um den St. Olavs Seeweg, mögliche Routen und die Faszination dieses besonderen Wanderwegs.

Auf den Spuren Olavs

Der Namensgeber dieses Pilgerwegs ist Olav Haraldsson. Im Jahr 995 in Norwegen geboren, unternahm er zunächst Wikingerexpeditionen rund um die Ostsee, nach Großbritannien und in die Normandie, wo er im Jahr 1014 auch getauft wurde. Ein Jahr später kehrte Olav zurück nach Norwegen und wurde König. Sein größtes Anliegen als Herrscher war es, Norwegen zu vereinen und die Christianisierung voranzutreiben. Er ließ einige Kirchen errichten und unternahm auch selbst Reisen, um den neuen Glauben unter den Norweger*innen zu verbreiten. Allerdings waren ihm nicht alle seiner Landsleute wohlgesonnen. Durch seine strenge Gesetzgebung machte er sich auch Feinde und war 1028 gezwungen, das Land zu verlassen.

Olav reiste ostwärts bis nach Novgorod im heutigen Russland. Allerdings plante er, bald darauf nach Norwegen zurückzukehren und seinen Platz auf dem Thron wieder einzunehmen. Dazu kam es allerdings nicht mehr: am 29. Juli 1030 starb Olav Haraldsson in der Schlacht von Stiklestad, unweit der heutigen Stadt Trondheim.

Wie Olav zum Heiligen wurde

Kurz nach Olavs Tod sollen sich in Nidaros, dem heutigen Trondheim, und Stiklestad, dem Ort seines Todes, unerklärliche Dinge ereignet haben: eine Sonnenfinsternis wurde als Zeichen Gottes Zorns gedeutet, Erzählungen von Wunderheilungen wurden mit Olavs Tod in Verbindung gebracht, woraufhin Olav heiliggesprochen wurde. Beinahe unmittelbar fingen Menschen an, zu St. Olavs Grab zu pilgern. Nidaros wurde zu einem der bedeutendsten Pilgerziele Nordeuropas – bis die Reformation in Nordeuropa der Heiligenverehrung erst einmal ein Ende setzte.

St. Olav galt und gilt als einer der wichtigsten Heiligen des Nordens. Heute immer noch als Schutzpatron Norwegens bekannt, wurden beispielsweise ebenfalls in Schweden viele Kirchen nach ihm benannt. Auch in Finnland und Åland befinden sich einige Kirchen zu Ehren St. Olavs: zum Beispiel in Nagu oder Jomala, die entlang des St. Olavs Seeweges liegen.

Pilgerfahrten in der modernen Welt

Während die Gründe für eine Pilgerfahrt früher ausschließlich religiöser Natur waren, könnten sie heute kaum unterschiedlicher sein. Selbstverständlich gibt es auch heutzutage noch diejenigen, die im klassischen Sinne an religiösen Denkmälern entlang zu heiligen Stätten pilgern und sich auf ihre Spiritualität besinnen möchten. Aber auch andere Gründe stehen oft dahinter: die einfache Lust am Wandern, das Genießen der Landschaft, sich Zeit nehmen, in der Natur sein, andere Orte erkunden…

Seit den 1980er Jahren scheint es einen regelrechten Pilgerboom zu geben, der sich vor Allem am allseits bekannten Camino de Santiago, dem Jakobsweg, zeigt. Jährlich zählt er Hunderttausende, die den Pfad oder Teile des Pfades bewandern. Wer sich für alternative Pilgerrouten abseits der vielfach bewanderten Wege interessiert, sollte unbedingt den St. Olavs Seeweg kennenlernen.

Der St. Olavs Seeweg – eine Perle der Ostsee

Wie viele verstreute Puzzleteile liegt der Schärengarten vor Finnlands zerklüfteter Küste. Überall aus dem Meer ragen mal kleinere, mal größere Felsinseln heraus. Einige von ihnen bieten gerade mal ein paar rastenden Möwen Platz, andere beherbergen Bäume, gar kleine Wälder und wieder andere sind tatsächlich ziemlich groß und bewohnt, können eine ganz normale Infrastruktur aufweisen.

Mitten durch diese beeindruckende Landschaft führt der St. Olavs Seeweg. Das Besondere an ihm: die Strecke kann nicht nur zu Fuß bewältigt werden, sondern auch per Fahrrad, Kajak oder Segelschiff. Allerdings sollte man sich auch bei den ersten beiden Fortbewegungsvarianten auf Fährüberfahrten einstellen, denn viele der Inseln sind nicht durch Brücken miteinander verbunden oder liegen schlicht zu weit voneinander entfernt – immerhin beträgt die Distanz des St. Olavs Seeweges insgesamt mehrere hundert Kilometer.

Das Projekt hinter dem St. Olavs Seeweg

Zwischen September 2016 und März 2020 arbeitete eine internationale Projektgruppe an der Kartierung und Markierung des St. Olavs Seeweges zwischen Turku und Söderhamn. Am Projekt beteiligte Partner waren die Åbo Akademi, die Novia University of Applied Sciences, die Stadt Pargas, der Franciskus på Kökar-Verein, der Pilgrimstid-Verein sowie die Gemeinden von Sottunga, Östhammar und Söderhamn.

Seit seiner offiziellen Eröffnung im Mai 2019 ergänzt der St. Olavs Seeweg die Strecke des St. Olavswegs bis Trondheim um weitere 625 Kilometer. Seit 2018 trägt er außerdem das offizielle Zertifikat der EU als Kulturroute. Um die Instandhaltung des Pilgerpfads kümmert sich der bilinguale Verein Olav routes in Finland (Olofsleder i Finland rf – Suomen Olavinreitit ry) mit Sitz in Finnland und auf den Ålandinseln. Der Verein ist außerdem Teil des Dachverbandes St. Olav’s Ways, der sich seit 2018 um die Aufrechterhaltung des Status‘ des St. Olavswegs als Europäische Kulturroute kümmert und die kulturellen Sehenswürdigkeiten entlang der Route bewirbt.

Vielseitige Möglichkeiten den Seeweg zu erkunden

Egal ob man die gesamte Strecke bis Söderhamn (oder gar bis Trondheim) zurücklegen möchte oder nur eine kleine Etappe des Pfades – die Möglichkeiten, den St. Olavs Seeweg zu bereisen, sind extrem vielseitig.

Die Menge der vor dem finnischen Festland vorgelagerten und teilweise nah beieinanderliegenden Inseln macht es möglich, sich individuelle Routen auszusuchen. Beginnend mit der ehemaligen finnischen Hauptstadt Turku, kann man beispielsweise in zwei bis drei Tagen nach Nagu wandern und mit dem Bus oder der Fähre wieder zurückfahren. Auch andere im inneren Schärengarten liegende Inseln sind durchaus gut angebunden und ermöglichen es, kürzere Etappen zurückzulegen und schnell wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren.

Wer etwas mehr Zeit hat, kann sich natürlich auch an größere Touren wagen. Ebenfalls von Turku aus kann man eine vier- bis fünftägige Wanderung durch die Stadt Kaarina und über die größten der Stadt vorgelagerten Inseln Pargas, Nagu und Korpo unternehmen.

Unweit von Kaarina befindet sich die Insel Kuusisto mit ihrer Holzkirche sowie der Ruine einer alten Bischofsburg. Außerdem lockt neben der einzigartigen Natur der weltweit größten Schärenlandschaft auch der Anblick der idyllischen Holzhäuser sowie die Steinkirchen in Nagu, Pargas und Korpo.

Mit der Fähre nach Åland

Von Galtby auf Korpo geht es dann mit einer Fähre weiter bis nach Kökar. Dort hat man die Möglichkeit, über einen 17 Kilometer langen Wanderweg die naturreiche Insel zu erkunden. Mithilfe weiterer Fähren kann man von Kökar über Sottunga nach Långnäs reisen. Nun inmitten der Ostsee, wechseln sich auf dem Pilgerweg karge Felsen mit satter Natur ab – immer aber bleibt die Nähe zum Meer inklusive beeindruckender Aussichten.

Von Långnäs aus ist es dann möglich, zu Fuß bis zur Hauptinsel Ålands zu gelangen und die Hauptstadt Mariehamn kennenzulernen. Wer sich nach den ruhigeren Ortschaften ein wenig mehr Stadtleben wünscht, wird hier fündig: verschiedene Museen, Freizeit- und Kulturangebote laden zum Verweilen ein.

Die gesamte Strecke von Långnäs bis Eckerö im Westen Ålands zählt etwas mehr als 100 Kilometer. Eine weitere Fähre verkehrt zwischen Eckerö und Grisslehamn, was sich bereits auf dem schwedischen Festland befindet. Von dort aus verlaufen die letzten 220 Kilometer des St. Olavs Seewegs Richtung Norden bis nach Söderhamn. Von Åland aus gibt es außerdem auch direkte Schiffsverbindungen nach Stockholm sowie nach Helsinki oder zurück nach Turku.

Ein einmaliges Erlebnis

Der St. Olavs Seeweg hat vieles zu bieten und liefert definitiv ein einmaliges Reiseerlebnis für jede*n! Durch die sichere und einfache Wegführung sowie gute Anbindungen der einzelnen Stationen entlang des Weges durch Busse oder Fähren ist der Pilgerpfad auch für Anfänger*innen gut geeignet. Egal ob alleine oder als Gruppe unterwegs: die gesamte Route oder einzelne Abschnitte können ganz individuell geplant und bereist werden – und das ohne sich mit überfüllten Herbergen und Pfaden abfinden zu müssen.

Außerdem besticht der St. Olavs Seeweg schlicht und ergreifend durch seine ganz eigene Atmosphäre. Die Mischung aus gemütlichen Fährüberfahrten, unvergleichlichen Lichtspielen, der Freundlichkeit der Menschen vor Ort, kulinarischen Highlights und atemberaubender Landschaft laden zum Genießen ein. Ständig umgeben vom Meer und seiner frischen Luft ist es ein Kinderspiel, mal so richtig durchzuatmen und die Seele baumeln zu lassen.

Weiterführende Informationen:

One thought on “Der St. Olavs Seeweg – 625 Kilometer von Finnland nach Schweden

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