Text: Katrin Walter

Gemeinsam mit anderen Nord-Freund-/innen und Blogger-/innen haben wir den Scandinavian Travel Codex entwickelt. In diesem Blogpost wollen wir ausführlich erzählen, wie es dazu kam und was dahinter steckt.

Die Ereignisse der letzten Monate haben das Verhältnis der Menschen zur Natur verändert. Viele haben das Bedürfnis etwas anderes als die eigenen vier Wände zu sehen und mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Lange Spaziergänge, Wanderungen in der Nähe des Wohnortes und Bewegung an der frischen Luft haben zugenommen und einen neuen Stellenwert erhalten. Auch das Reiseverhalten verändert sich immer mehr. Der Trend geht zu flexiblem und autonomem Reisen im eigenen oder geliehenen Camper Van oder Wohnmobil.

Dass Wohnmobile nicht erst seit Kurzem im Trend liegen, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des Fahrzeugbestands: Von 2015 bis 2020 legte der Bestand an Wohnmobilen in Deutschland nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts von gut 390 000 auf knapp 590 000 zu. Das entspricht einem Plus von 50%. Diese Zahlen zeigen, dass das Konzept des autonomen Reisens und das damit einhergehende Freiheitsgefühl immer mehr Menschen erreichen.

Skandinavien ist durch das Jedermannsrecht ein beliebtes Reiseziel

Durch das Jedermannsrecht und das traditionelle Friluftsliv haben sich die skandinavischen Länder zu besonders beliebten Reisezielen entwickelt. War Skandinavien früher eher ein Reiseziel für eine reifere Zielgruppe, hat sich der Norden in den letzten Jahren durch die sozialen Medien auch bei jungen Menschen zu einem Sehnsuchtsziel entwickelt. Camping ist durch Trends wie Vanlife „cool“ geworden und erreicht eine größere und heterogenere Zielgruppe.

Natur schützen Island
Teil der Golden Circle Strecke auf Island, Foto: Katrin Walter

In den letzten Jahren hat die Zahl deutschsprachiger Reisender in die nordischen Länder kontinuierlich zugenommen. Es kommen immer mehr Menschen, die bisher wenig Erfahrung mit naturnahem Reisen gemacht haben. Expert-/innen erwarten durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in den nächsten Jahren weiterhin einen deutlichen Anstieg, bedingt durch die gute Erreichbarkeit mit eigenem PKW, Zug oder Wohnmobil | Van. Ein weiterer Grund für die Reisezunahme ist die Weite und Abgeschiedenheit der Länder und ihrer natur- und kulturlandschaftlichen Angebote. Es besteht die Möglichkeit „ab vom Schuss“ und ohne viel Kontakt zu anderen Reisenden etwas zu erleben. Zusätzlich ist in Schweden, Norwegen und Finnland seit jeher das Jedermannsrecht wichtiger Teil der kulturellen Identität, von dem auch Reisende Gebrauch machen können.

Faires Reisen endet nicht beim Umgang mit der Natur

Für die Natur und Kultur der Länder hat das jedoch nicht immer nur positive Effekte. Oft wissen Reisende nicht, dass faires Reisen nicht beim Umgang mit der Natur endet. Auch die Kultur und Gesellschaft der bereisten Orte sollte immer berücksichtigt werden.

Genau darüber haben wir im Rahmen des letzten Campfires zu den Themen Friluftsliv und Jedermannsrecht gesprochen. Der Austausch in der Gruppe und die Berichte von Reisenden haben uns auf den Gedanken gebracht diesen Codex zu initiieren. Es hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die den Codex gemeinsam erarbeitet und kommuniziert hat. Wir suchten dabei nach Antworten auf folgende Fragen: Wie wollen wir uns in der Natur bewegen und aufhalten? Welche Regeln gibt es? Haben wir Tipps? Welche guten Manieren wollen wir vorleben? Wo sollten wir aufklären? Was ist unser Verständnis von fairem Reisen in Skandinavien?

Scandinavian Travel Codex Meer
Ein Steg an einem der 188.000 Seen in Finnland. Foto: Katrin Walter

Dabei geht es vor allem um Verantwortung, Sensibilisierung für bestimmte Themenbereiche und kontinuierliches Hinterfragen des eigenen Tuns. Wir wollen aber nicht den Zeigefinger erheben, sondern uns eingestehen, dass jede-/r Fehler macht, aus denen man lernen kann. Denn nur dann können wir die Natur und Kultur vor der eigenen Tür und in unseren Herzensländern auch für nachfolgende Generationen bewahren.

Scandinavian Travel Codex: Die Idee hinter dem Logo

Scandinavian Treavel Codex Logo
Das Logo des Scandinavian Travel Codex

Das Logo wurde in gemeinsamer Runde erdacht und von Michaela vom Foodblog Mahtava Nordic Food gestaltet. Die runde Form soll den Kreislauf der Natur darstellen und an einen Stempel erinnern. Die blaue Farbe nimmt Bezug auf das Siegel des Umweltengels und greift die Verbundenheit zu Wasser und besonderer Luftgüte in den skandinavischen Ländern auf. Die vier gewählten Piktogramme zeigen auf einen Blick alle Bereiche, die uns für den Codex wichtig waren: Rücksicht auf Natur und Tierwelt, das menschliche Miteinander und achtsames Verhalten. Der Slogan „Fair Reisen“ ist nicht nur ein Wortspiel (verreisen), sondern fasst die Idee hinter dem Codex nochmal kurz und knackig zusammen.

Mach mit und unterzeichne den Scandinavian Travel Codex

Wir haben unsere Verhaltensregeln gemeinschaftlich zusammengetragen und formuliert und in einem Codex festgehalten.

Wenn Du Dich mit diesen Regeln identifizieren kannst, freuen wir uns, wenn Du den Codex unterzeichnest und mit anderen Reisenden und Nord-Fans teilst. Mit Deiner Signatur kannst Du ein Zeichen setzen für faires, respektvolles, verantwortungsbewusstes und sensibles Reisen. Damit Dein nächster Ausflug in den Norden unvergesslich wird!

Faires reisen Island
Ein Haus in der Weite Islands. Foto: Geertje Marquardt

Der Scandinavian Travel Codex

Skandinavien liegt uns allen am Herzen. Unserer Vorbildfunktion sind wir uns bewusst, daher geben wir mit diesem Codex das Versprechen ab, Verantwortung zu übernehmen und uns aktiv für verantwortungsvolles, nachhaltiges Reisen in den Norden einzusetzen:

Natur & Kultur: Wir lieben und respektieren die Natur und die Kultur der nordischen Länder. Wir tragen durch unser Tun und unsere öffentliche Kommunikation zu deren Schutz und Erhalt bei.

Nachhaltiger Tourismus: Wir schaffen und vertreten ein Bewusstsein für nachhaltigen Tourismus in den nordischen Regionen. Dazu arbeiten wir auch mit den Partnern vor Ort, Reiseveranstaltern, Reisenden und verschiedenen Medien zusammen.

Regionale Wirtschaft in den Destinationen: Wir stärken lokale Betriebe und Dienstleister. Wir fördern so die regionale Wertschöpfung in den skandinavischen Destinationen.

Social Media: Wir sind uns der Konsequenzen, die Geotagging und generell das Verbreiten von Fotos in den sozialen Medien mit sich bringen, bewusst. Unsere Vorbildfunktion erkennen wir an und gehen verantwortungsvoll mit den sozialen Medien um.

Klimaschutz: Wir wählen möglichst klimafreundliche Reiseformen. Wir informieren unsere Zielgruppe über die Möglichkeiten einer umweltfreundlichen Anreise und Fortbewegung innerhalb der Destinationen. Wir informieren über Projekte und Initiativen zum Klimaschutz.

Sensibilisierung: Wir sensibilisieren unsere Zielgruppen für verantwortungsvolles Reisen. Wir geben konkrete Empfehlungen für ein respektvolles Verhalten innerhalb der nordischen Kultur und in der Natur. Wir weisen auf individuelle Gefahren hin und klären über bestehende Regeln, wie zum Beispiel das Jedermannsrecht, auf.

Unser Versprechen: Wir möchten aus unseren Fehlern lernen und uns weiterentwickeln. Wir werden unser Tun und unsere Kommunikation immer wieder kritisch hinterfragen. Wir lassen uns von dem Gedanken leiten, die Einzigartigkeit Skandinaviens zu bewahren und auch für folgende Generationen erlebbar zu erhalten. Dazu bieten wir, wenn es uns möglich ist, tiefergehende Informationen zu den verschiedenen Themengebieten und aktuellen Aktivitäten.

GEMEINSAM FÜR FAIRES REISEN IN DEN NORDEN!

Website

5 thoughts on “SCANDINAVIAN TRAVEL CODEX: Fair Reisen

  1. Wir waren gerade 24 Tage in Skandinavien mit dem Wohnmobil unterwegs und haben gesehen, wie verletzlich die Landschaften dort sind. Gleichzeitig ist der Wohnmobilboom überall zu erkennen. Wir sind uns unserer Verantwortung als Touristiker bewusst.

  2. Ich finde das Skandinavien sehr schön ist ich bin gerne dort vorallen in Schweden. Deshalb finde ich das man wenn man wo zu Gast ist nicht sein Müll zurück lässt sondern Ordnungsgemäß entsorgen tut und nicht in der Natur zurück lässt!

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